Erfolgreicher Schalttermin: Die ersten Orte sind mit
H-Gas versorgt

Teile des Erdgasnetzes im Kreis Neuwied sind auf die neue Gasqualität umgestellt

Seit mehreren Jahren laufen die Vorbereitungen für die notwendige Erdgasumstellung im Netzgebiet der Energienetze Mittelrhein (enm). Am Dienstag, 4. Mai, hat sich gezeigt, dass sich die akribische Vorbereitung gelohnt hat: Im ersten Teilbereich des Netzgebiets Westerwald konnte erfolgreich die physische Umstellung vorgenommen werden. Konkret betrifft dies die Verbandsgemeinden Dierdorf und Puderbach. Um kurz vor 8 Uhr schlossen sich die Schieber der L-Gas-Transportleitung am Netzkopplungspunkt zum Verteilnetz der enm in Großmaischeid, und im nächsten Augenblick öffneten sich die Schieber der H-Gas-Transportleitung, die parallel verläuft. 

Was sich so einfach anhört, ist in Wahrheit ein komplexer Vorgang, der gewissenhafte Vorbereitungsarbeiten voraussetzt. Dazu musste das Team um Projektleiter Andreas Weiland aus dem Asset-Management der enm das in weiten Teilen verbundene Erdgasverteilnetz der enm viele Jahre im Vorfeld genau analysieren, Umstellbereiche bilden und dabei immer berücksichtigen, dass die Gasversorgung zu keinem Zeitpunkt beeinträchtigt werden darf. Auch musste er prüfen, wie das Netz in einzelne Abschnitte getrennt werden kann. Die Umstellung im Netz der enm verläuft über drei Jahre in 17 Teilnetzgebieten, da die rund 200.000 Gasgeräte nicht auf einmal an die neue Gasqualität angepasst werden können und Teilnetz für Teilnetz angepasst werden muss. „Diese anspruchsvolle Vorarbeit hat dabei vor allem ein Ziel: Wir möchten eine reibungslose Umstellung auf H-Gas durchführen, um Ausfälle an Gasgeräten zu verhindern“, berichtet Andreas Weiland. Nötig wird diese Umstellung, da die Niederlande die L-Gas-Förderung schrittweise reduziert und zukünftig H-Gas vor allem aus Norwegen und Russland durch die Erdgasnetze der Region geleitet wird. 

Umstellung reibungslos

Das ausgetüftelte Vorgehen der Energienetze Mittelrhein hat sich ausgezahlt: Am ersten Schalttag hat es keine nennenswerten Schwierigkeiten gegeben. Rund 100 Mitarbeiter der evm-Gruppe sowie einiger Dienstleister sorgten dafür, dass alles wie am Schnürchen klappte. „Es war natürlich für uns alle ein aufregender Moment, auf den wir lange hingearbeitet haben“, erläutert Andreas Weiland. „Als dann zum ersten Mal H-Gas störungsfrei durch die Leitungen des umgestellten Teilnetzes strömte, wussten wir, dass sich unsere Mühen ausgezahlt haben.“ Bis sich das „neue“ Gas dann tatsächlich bis in die letzte Sackgasse des Netzgebietes verteilt hatte, vergingen einige Stunden. Je nach aktuellem Gasverbrauch in den Haushalten und Firmen dauert es, bis das letzte L-Gas in den Leitungen verbraucht ist und das H-Gas an seine Stelle tritt. 

Um zu wissen, wann das H-Gas vor Ort ankommt, waren die Monteure Holger Bux und Rainer Hickl unterwegs. Ihre Aufgabe: Sie nahmen an vier Gasdruckregelstationen in Großmaischeid, Dierdorf, Raubach und Puderbach Messungen vor, um die Methankonzentration zu ermitteln. Das hat einen einfachen Hintergrund: L-Gas hat einen Methangehalt von etwa 83 Volumenprozent, H-Gas von etwa 91. Kaum war der höhere Wert an einem Messpunkt erreicht, konnten die beiden zur nächsten Kontrollstelle aufbrechen.

Hier kommt das H-Gas an und wird im Druck gemindert, um an die Haushalte geleitet zu werden. Holger Bux (links) und Rainer Hickl prüfen die Anlage in Großmaischeid vorab, bevor die Umschaltung auf H-Gas vorgenommen wird.

Kontrollmessung in Dierdorf: Rainer Hickl von der enm prüft anhand des Methangehalts, ob das H-Gas bereits an der Station am Feuerwehrhaus eingetroffen ist.

Anpassungen der Gasgeräte

Mit der Einspeisung von H-Gas ist es allerdings nicht getan. Mindestens genauso wichtig wie die Netzumschaltung ist die Anpassung der einzelnen gasbetriebenen Geräte in den Haushalten und Unternehmen. Um zu ermitteln, wie das jeweilige Gerät an die andere Gasqualität anzupassen ist, waren bereits 2019 Monteure im Gebiet unterwegs und schauten sich jedes einzelne Gerät an. Auf Basis der erhobenen Daten konnte die enm notwendige Ersatzteile beschaffen. In der Regel handelt es sich dabei um andere Düsen mit einem geringeren Durchmesser. Bei Firmen mit speziellen Gasgeräten für industrielle Anwendungen und Fertigungsprozesse fand eine detaillierte Planung statt, um mögliche Produktionsausfälle zu vermeiden. Am Betriebsgebäude am Netzkopplungspunkt in Großmaischeid konnten die Anpassungsmonteure direkt nach der Umschaltung auf H-Gas die vier Heizthermen auf die neue Gasqualität anpassen. Dazu hatten sie vier nagelneue Düsensets im Gepäck, die sie einbauten. Dass es in der Station gleich vier Heizungen gibt, hat seinen guten Grund: „Wir betreiben hier eine Vorwärmeanlage, damit die Leitungssysteme keinen Schaden nehmen. Wir regeln in dieser Station den Druck herunter, und bei der sogenannten Entspannung des Gases kommt es zu einer Abkühlung“, erklärt Teamleiter Thilo Kilian.

Insgesamt befinden sich im ersten Schaltbezirk rund 6000 Endgeräte. „Bei der Erhebung dieser Geräte gab es glücklicherweise nur einen sehr kleinen Teil, der nicht anpassbar war. Der Anteil liegt unter einem Prozent“, so Andreas Weiland. Die meisten Haushalte bekommen nach der erfolgten Netzschaltung auf H-Gas erneut Besuch von einem Monteur, der die neuen Düsen einbaut oder die Einstellungen am Gerät entsprechend anpasst. Diese Arbeiten finden in den nächsten Wochen statt. Betroffen sind rund 4300 Geräte. Die restlichen 1.700 Geräte konnten aufgrund ihrer Bauart schon einige Tagen und Wochen vor der Schaltung angepasst werden. 

Erdgasbüro länger erreichbar

Falls ein Gasgerät im Zuge der Erdgasumstellung einen Fehler meldet, können sich Bürger an das Erdgasbüro der enm wenden. Das Büro ist unter 0261/2999-60100 erreichbar – derzeit sogar bis 22 Uhr sowie an den Wochenenden. Zuvor sollte man sich aber vergewissern, ob man vom Schalttermin 4. Mai betroffen ist. Dies kann man auf www.enm.de/erdgasumstellung leicht ermitteln. Dort findet sich eine Karte, auf der die Schalttermine abzulesen sind.

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